Ein Sieg, Segelreparatur und Hitze


Bericht: Theresa

in paar Zahlen zuerst:

29 Tage auf See, 4472 Seemeilen, maximaler Wind 40 Knoten, maximaler Bootsspeed 20,1 Knoten.

Die Herrausforderung

Wir hatten im Grunde die ganze Strecke lang downwind-Bedingungen, fast durchgehend einen unserer vier Gennaker (Code) in der Luft. Das bedeutet extreme Aufmerksamkeit beim Steuern, um Sonnenschüsse zu vermeiden und das Segel nicht zu sehr zu strapazieren. Wir segeln dann in der Regel nicht nach Kompasskurs, sondern nach Windwinkel. Besonders in der Nacht, wenn man das Segel kaum sieht, eine Herausforderung.

Start

Nach dem Start auf dem Pazifik vor Seattle hatten wir zunächst angenehmen Wind von um die 15 Knoten. Ab dieser Windgeschwindigkeit sind wir permanent mit der Lifeline eingepickt, was die Bewegung an Bord etwas komplizierter, aber deutlich sicherer macht. Alle zehn Boote waren noch recht dicht zusammen, man konnte die Lichter der Konkurrenz in der Nacht sehen.

Die Entscheidung

Wir entschieden uns, auf der Suche nach mehr Wind nah an die kalifornische Küste zu fahren und ließen dafür das Scoring Gate aus. Hier bekommen die ersten drei Boote Zusatzpunkte – es liegt aber klar abseits der Ideallinie. Wir wogen ab zwischen 1-2 Extrapunkten oder einer wirklich guten Position in der Gesamtflotte und entschieden uns gegen das Gate. Am Ende richtig, denke ich, da zwei der drei Boote mit Punkten am Gate später deutlich abgeschlagen waren.

Riss im Gennacker

Nahe der kalifornischen Küste bekamen wir unseren erhofften Wind und konnten dem Rest der Flotte gut davonziehen. Bis der Wind zu stark wurde und unser Code 3, der „dickste“ der vier Gennaker, mittig durchriss. Der Segelkopf flatterte am Fall fröhlich am Mast, der Rest des 200 Quadratmeter-Segels schliff neben, unter und hinter dem Boot durchs Wasser. Das ganze natürlich nachts in tiefer Dunkelheit. Wir alle brauchten 30 Sekunden, um überhaupt zu verstehen, was passiert war. Und dann zwei Stunden, um das Segel (mitsamt hunderter kleiner jellyfish) wieder an Bord zu ziehen.

Tape und Segeltuch

Denn beim Clipperrace gilt: Wir reparieren alles selbst an Bord. Geht ein Code verloren, gibt es 8 Strafpunkte. Das wollten wir natürlich nicht, also packten wir die Nähmaschine aus. Eine kurze Beratung mit einem Segelmacher an Land ergab, dass wir es mit einer Kombination aus Tape und neuem Segeltuch versuchen würden, vielfach übernäht und so verstärkt. Die Reparatur dauerte mehrere Tage und Nächte.

Der Wind aus den Wurzeln der Bäume

In der Zwischenzeit wurde es deutlich wärmer und der Wind ließ nach. Bei geringer Geschwindigkeit kann die mexikanische Küste endlos sein. Ab und an kämpften wir uns durch Windlöcher, dann fanden wir gute Land-Seewind-Brisen, die uns recht zuverlässig nach Süden trugen. Andere Boote versuchten es weiter von der Küste entfernt und spürten diesen Effekt nicht – wir konnten unsere Führung daher gut behaupten und ausbauen.

Welche Ziellinie

Wegen der unsicheren Windlage gilt für diesen Abschnitt des Clipper Races eine Besonderheit: Es gibt nicht nur eine, sondern 6-7 mögliche Ziellinien. Man muss sie alle überqueren und das Race Management entscheidet dann, welche wirklich zählt und von allen Booten erreicht werden kann. Man erfährt also möglicherweise erst im Nachhinein, dass man im Ziel ist.

Die Ziellinie

Bei uns war es genau so. Wir segelten in Position 1 über die erste Ziellinie, ich war am Steuer. Kurze Freude, dann weiter Richtung Ziel 2. Auch das überquerten wir als erste und waren schon auf halbem Weg zu Ziel 3, da entschied das Race Management: Das Rennen wird bei Ziel 1 beendet. Andere Boote waren so weit zurück, dass sie die späteren Ziellinien nicht rechtzeitig vor der gebuchten Passage durch den Panama-Kanal erreichen würden.

Entspannung ?

Danach ging es mit Motorunterstützung und Tankstopp in Costa Rica nach Panama City. Größte Herausforderung: die Hitze, vor allem unter Deck, wo der Motor nochmal zusätzlich Wärme abgab. Schlafen war nahezu unmöglich, wir tranken 6-7 Liter am Tag, schliefen auf Handtüchern, mit kleinen Ventilatoren in der Hand, teils in der Segelkammer, wo die Klappe aufs Vordeck geöffnet blieb. Tagsüber rettete uns Wassereis, wie man es aus Kindertagen kennt. Alle 30 Minuten wurde die Steuerfrau/der Steuermann ausgetauscht, damit sie in den Schatten kamen.

Panama City

Jetzt sind wir in Panama City, haben das Boot gerade durch den Kanal auf die Atlantikseite gefahren. Morgen geht es weiter nach Washington DC. Das Ziel: die nächsten zehn Punkte für den Etappensieg einfahren.

Fotograf: Clipper Race

Sieg

Ein Abschnitt

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